Was ist eigentlich das Problem? Und warum braucht es diesen Blog?

  • Ruben: Also aus meiner Sicht ist das Problem, dass wir unseren Planeten auf so behandeln, dass unsere Nachkommen hier nicht mehr so leben können, wie wir das konnten. Die Eiskappen schmelzen ab, der Golfstrom wird schwächer, usw. Und das Ganze trifft vor allem die Armen der Welt.
  • Leon: Du zielst damit sehr stark auf den Klimawandel, aber ich denke wir dürfen die vielen anderen Dimensionen der Umweltprobleme nicht aus den Augen verlieren. Vor einigen Monaten war zum Beispiel in den Medien das Insektensterben ein Thema, also der Biodiversitätsverlust. Weiterhin sehe ich als großes Problem den ungezügelten Umgang mit nicht-endlichen Rohstoffen, nicht nur fossile Energieträger, sondern auch mineralische, wie Kupfer, Lithium und viele mehr. Betrachten wir nur allein den Klimawandel und versuchen Lösungen darauf zu finden, rufen diese vielleicht in anderen kritischen Bereichen Probleme hervor oder verstärken bestehende.
  • Ruben: Der Blick aufs große Ganze. Im Prinzip finde ich das ja gut. Aber dann gibt es so eine kritische Stimme bei mir, die fragt: Ist das überhaupt schlecht mehr Lithium aus dem Boden zu holen, wenn beim Abbau selbst niemand zu Schaden kommt. Ich finde das glaube ich nicht prinzipiell ein Problem, wohl aber, wenn es negative Effekte hat. Also zum Beispiel, wenn die Goldminen in den Amazonaszuflüssen den ganzen Fluss mit Quecksilber versuchen. Ob jetzt irgendjemand ein großes Loch in die chilenische Wüste buddelt, um noch mehr Kupfer aus der Erde zu holen, ist mir das glaube ich egal. Ich finde es da auch wichtig mitzudenken, dass nicht nur die Umwelt einen Wert hat, sondern Menschen und deren Arbeitsplätze auch. Ich glaube nicht, dass wir Umweltprobleme lösen können, ohne das wir den vielen Menschen auf unserem Planeten eine Perspektive bieten.
  • Leon: Da würde ich dir vollkommen zustimmen. Sowohl bei der Kupfermine in der Wüste als auch bei der Perspektive und den Arbeitsplätzen für die Menschen. Problematisch ist aus meiner Sicht der ungezügelte Zugriff auf die Ressourcen, die durch immer effizientere Abbaumethoden immer günstiger werden. Somit besteht die Tendenz, dass sich ganze Wirtschaften von diesen günstigen Rohstoffen abhängig machen und wenn dann die Mine in der Wüste erschöpft ist eben eine Mine in einem Gebiet geplant wird, das vielleicht ein Biodiversitäts-Hotspot ist. Aber da so große Abhängigkeiten bestehen, wird dann die “Natur” als weniger wichtig gewertet, als der Zugriff auf die günstigen Rohstoffe, denn ohne die geht es ja nicht (Industrien würden zusammenbrechen, Arbeitsplätze wegfallen, selbst wenn die Rohstoffe nur teurer wären). Das Problem ist also die “Gewöhnung” an günstige Rohstoffe für die Wirtschaft. Es fehlt also eine Rahmensetzung, die ggf. etwas bremsend wirken könnte.
  • Ruben: Rahmen setzen finde ich das richtige Thema. Aus meiner Sicht muss die Gesellschaft entscheiden, wie ein solcher Rahmen aussehen soll und die Politik muss ihn umsetzen. Und das ist ganz schön schwierig. Wie schaffen wir es, dass nicht nur unsere Generation, sondern auch zukünftige Generationen mit am Tisch sitzen? Wie schaffen wir es, dass Lobbyisten, die ich prinzipiell legitim finde, die Gesetzgebung nicht in zahnlose (Nachhal-)-Tiger verwandelt? Können wir uns überhaupt global auf so etwas einigen, oder dauert das wie Paris mehr als 20 Jahre und löst das Problem trotzdem nur unzureichend?
  • Leon: Ja, eigentlich bräuchte es solch eine Rahmensetzung global. Nur wie du schon andeutest, ist es recht schwierig sich vorzustellen, wie das passieren soll. Was die Diskussion “in der Gesellschaft” angeht, bin ich etwas skeptisch. Wir sehen glaube ich in der Geschichte viele Rahmensetzungen, die wenig aus der Gesellschaft kamen, sondern von Politikern (oder anderen leitenden Gesellschaftsmitgliedern) mit einer Vision und einer starken Überzeugung. Ich denke dabei etwa an die Gründung der Vereinten Nationen, oder auch die Gründung der Europäischen Union. Vielleicht kann man sagen “die Gesellschaft” war in irgendeiner Weise bereit dafür, da es sonst Widerstand gegeben hätte. Meine Vermutung wäre jedoch, dass in vielen Fällen ein Gro “der Gesellschaft”, diese Rahmensetzungen gar nicht direkt wahrgenommen hat.
  • Ruben:  Ich finde, das ist ein schmaler Grad. Es braucht Vordenker und Vorangeher, aber es ist auch wichtig, dass wir den Rest nicht vergessen oder übergehen. Ich würde mir wünschen, dass unser Blog genau dafür ein Forum bietet: Für kontroverse Debatten dazu, was legitim, was sinnvoll und was machbar ist. In diesem Sinne: Frohes Diskutieren!
  • Leon: Das wünsche ich uns auch!